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Samstag, 5. November 2016

Books for Free

Im Netz gibt es ja eine ganze Menge zu lesen und das Meiste davon sogar gratis (vom Gutenberg Project über Freebooks bis hin zu Fanfiction). Aber wenn man mal offline nach Lesefutter sucht und gerade nicht die Möglichkeit hat eine Bibliothek zu besuchen, dann gibt es nicht allzu viele Gelegenheiten an gratis Bücher zu kommen.
Aber an ein paar Orten ist es eben doch möglich. Bei mir in der Nähe gibt es so einen Platz, die Telefonzelle.


Wie genau man diese Mini-Bibliothek bezeichnen soll weiß ich nicht, aber es gibt diese und ähnlich Plätze an immer mehr Orten, meist an frei zugänglichen Orten, in Parks oder in Fußgängerzonen, gelegentlich auch in einem Cafe oder in der Nähe von Schulzentren.

Immer sind es Wind und Wettergeschützte Bereiche in denen man eine kleine bis größere Auswahl an freien Büchern findet. Frei sind die Bücher deshalb, weil sie von ihren ehemaligen Besitzern in die Welt entlassen worden sind, um ein neues zu Hause zu finden und jemanden der sich an ihnen erfreuen möchte. Einige der Bücher kommen sogar mit einem Verzeichnis ihrer bisherigen Reiserute oder mit handgeschriebenen Anekdoten zum Buch, verfasst durch den ehemaligen Eigentümer.

Wenn ich die Telefonzelle besuche, die immer auch noch in ihrer ursprünglichen Funktion genutzt werden kann, dann ist das ein bisschen wie Weihnachten. Es gibt Lesestoff zu entdecken über den man sonnst nie gestolpert wäre und immer habe ich bisher ein oder auch zwei Bücher entdeckt, die ich unbedingt mitnehmen wollte. Auch wenn das manchmal heißt eine halbe Stunde lang die Regale Stück für Stück absuchen zu müssen und sich dabei an den scheinbar immer präsenten Simmel-Werken und alten Reader'sDigest- Ausgaben vorbei zu arbeiten.
Klar gibt es auch einige Bücher die einfach keinen neuen Besitzer finden und nach einer unterschiedlich bemessenen Gnadenfrist aussortiert werden. Ab und zu findet man auch schon mal ein Buch dessen Zustand so beklagenswert ist, dass es in den Papiermüll gehört, aber das sind doch eher die Ausnahmen.


Jahreszeitabhängig ist auch die Fülle des Angebots, besonders deutlich zu beobachten im Frühjahr, wenn zu Hause ausgemistet wird und man die Tür der Telefonzelle sich kaum noch schließen lässt.

Wenn die Zeit zum Schmökern mal nicht gegeben ist, dann greife ich auch schon mal nach einem beliebigen Buch stopfe es quasi im Vorbeilaufen in die Handtasche und lasse mich zuhause überraschen. Damit habe ich erstaunlich oft gute Erfahrungen gemacht.

Und zwei mal im Jahr ist es dann an mir, die Telefonzelle mit neuem Futter zu versorgen. Denn ein ungeschriebenes Gesetzt fordert sie Nutzer der freien Bibliothek auf die entliehenen Bücher zurück zu bringen oder aber durch andere Werke zu ersetzten.
Seit einiger Zeit bringe ich meine Bücher aber nicht mehr einfach so zur Zelle, sondern als Geschenk verpackt und mit einem kleinen Hinweis versehen.
Wie genau es dazu gekommen ist kann ich nicht mehr genau sagen, aber mir gefällt der Gedanke, das jemand ein Buch mitnimmt ohne genau zu wissen was er oder sie da zu lesen bekommen wird. Ein kleines Risiko eingehen und am Ende möglicherweise etwas Neues für sich entdecken, im schlimmsten Fall an einer Lese-Herausforderung wachsen (oder das Buch zurückbringen).


Bis jetzt habe ich noch nie eines meiner befreiten Bücher wieder entdeckt, was ich als positives Zeichen sehe und solange mir und den andern Nutzern der freien Bibliothek die Bücher nicht ausgehen, werde ich wohl immer wieder den Umweg zur Telefonzelle machen.

Gruß
Sophie

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